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Landnutzung und Ressourcen

Landnutzung und Ressourcen

Die Penan nutzen ihr Land durch Jagen und Sammeln traditionell auf sehr nachhaltige Weise. Mit zunehmender Abholzung wurden sie jedoch mehr und mehr zur Sesshaftigkeit und damit einhergehender Landwirtschaft gedrängt. Da die Politik Sarawaks immer noch auf industrielle, grossräumige Landwirtschaft wie zum Beispiel Palmölplantagen setzt, gibt es weder Anleitung noch Unterstützung für nachhaltige kleinräumige Landnutzung und Ressourcenschutz. Die Penan wollen statt des in der Region weit verbreiteten flächenintensiven Wanderfeldbaus, für den regelmässig Regenwald gerodet werden muss, den schonenden und effizienteren Nassreisanbau betreiben. Hierzu sind jedoch sorgfältige Planung, Training und Investitionen in die Infrastruktur notwendig. Der BMF unterstützt die Penan in Long Lamai und zunehmend auch in umliegenden Dörfern in ihren Bestrebungen zur nachhaltigen Landnutzung.

Politischer Kontext

Bis vor einigen Jahren war der grösste Teil der Fläche Sarawaks dichter, unberührter Tropenwald. In den vergangenen Jahrzehnten wurden jedoch knapp 90% des Primärregenwalds in Sarawak, hauptsächlich für den Export, abgeholzt. Diese Abholzung wurde fast ausschliesslich von Grosskonzernen durchgeführt, die, neben den verantwortlichen Politikern, als einzige von den riesigen Gewinnen aus dem Tropenholzgeschäft profitiert haben. Da das Ende der wilden Abholzung absehbar ist, gehen mittlerweile viele Unternehmen zur Anlage von Plantagen meist schnellwachsender Holzarten oder Ölpalme über. Die Regierung von Sarawak hat jahrelang die grossflächige Abholzung lizenziert und unterstützt. Mittlerweile wird die unkontrollierte z.T. illegale Abholzung zwar auch von politischer Seite kritisiert, die Landwirtschafts- und Forstpolitik ist aber nach wie vor auf grosse Unternehmen mit weitläufigen Plantagen ausgerichtet.

Insofern gibt es kaum Konzepte oder Beratungsstrukturen, die Indigene darin unterstützen, kleinskalige Landwirtschaft und schonende Waldnutzung zu betreiben. Die ursprünglich nomadischen Penan sind auf Grund der Abholzungen zunehmend gezwungen sich niederzulassen und die landwirtschaftlichen Praktiken benachbarter Stämme zu übernehmen. Doch auch der lokal häufig praktizierte Wanderfeldbau ist flächenintensiv und unter den veränderten Umständen mit schwindenden Waldflächen meist nicht mehr nachhaltig.

Die Landnutzung der Penan

Die Penan sind in der Entwicklung ihrer Landnutzungsplanung und beim Waldschutz auf sich alleine gestellt. Sie sind nach wie vor stark an einen intakten Wald gebunden um dort jagen und wilde Früchte und Heilpflanzen sammeln zu können. Um den verbleibenden Wald zu erhalten, setzen sie auf Nassreisanbau, der höhere Erträge pro Fläche bringt und somit weniger wertvolle Regenwaldfläche verbraucht. Ein Hindernis ist, dass für den Nassreisanbau sorgfältige Planung, Investitionen in Infrastruktur und Training erforderlich sind. Hier setzt das Projekt des BMF an.

Projektziel

Das Projekt «Nachhaltige Landwirtschaft und Ressourcenmanagement» wendet sich an Penan und beinhaltet ein umfassendes Programm zur Förderung nachhaltiger Landwirtschaftspraktiken und einer schonenden und vorausschauenden Nutzung der Ressourcen.

1. Landnutzungsplanung und Ressourcenmanagement

Die partizipative Landnutzungsplanung unterstützt die Gemeinden in der Gestaltung eines nachhaltigen Ressourcenmanagements. In Gemeinden, deren Ressourcen bereits übernutzt sind, trägt sie z.B. zu einer Regeneration des Bodens bei, in anderen Gemeinden beugt sie einer möglichen Ressourcendegradierung vor. Die Planung basiert unter anderem auf den vom Kartierungs-Team der Penan erstellten Landkarten und auf Luftaufnahmen durch die Kartierungsdrohne.

2. Capacity-Building und Wissenstransfer

Neben der Sammlung und Aufbereitung von Wissen zu Nassreisanbau ist auch die Ausbildung von ausgewählten, lokal verankerten Personen zentral. Diese können das Wissen langfristig und selbstorganisiert erweitern und vermitteln. In Bezug auf den Wissenstransfer spielen Lehr- und Lernmaterialien in der Sprache der Penan eine zentrale Rolle. Das Wissen wird durch sie vielen Personen zugängig und unabhängig von speziell geschulten Einzelpersonen nutzbar.

3. Nassreisanbau Infrastruktur

Der BMF unterstützt Familien und Gemeinden bei der Errichtung von Nassreis-Systemen, indem notwendige Materialien für die Wasserversorgung (etwa Leitungsrohre) und Lagerung der Ernte zur Verfügung gestellt werden. Der kleinräumige Anbau von Nassreis führt zu einer Verbesserung der Erträge bei weniger Arbeitszeitaufwand. Dadurch kann die Brandrodung von Wäldern massgeblich reduziert werden.

Für das Projekt kooperiert der Bruno Manser Fonds mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). Das Projekt soll einen ganzheitlichen Ansatz bilden um die Landnutzung der Penan ökologisch, sozial und wirtschaftlich in nachhaltiger Weise zu gestalten.

Weitere Informationen

Tong Tana August 2014: Landwirtschaftliche Perspektiven im Regenwald

Bilder
  • Nassreisanbau in Long Lamai
  • Frisch gepflanzter Nassreis
  • Eine Familie aus Long Lamai beim Anlegen ihrer Reisfelder
by moxi