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Erneuerbare Energien im Regenwald

Erneuerbare Energien im Regenwald

Der Baram Fluss ist der zweitgrösste Fluss in Sarawak und an seinen Ufern leben rund 20’000 Indigene von Fischfang, Reisanbau und dem Regenwald. Nachdem sich die Indigenen erfolgreich gegen den geplanten Mega-Staudamm am Baram gewehrt haben, suchten sie gemeinsam mit NGOs und Wissenschaftlern nach nachhaltigen Entwicklungs- möglichkeiten für die Region. Gemeinsam ermittelten sie, dass Kleinstwasserkraftwerke (auch Micro Hydro Dams genannt) die am wenigsten invasive Möglichkeit bietet, um die Communities mit Elektrizität zu versorgen und gleichzeitig die Wassereinzugsgebiete des Baram und seiner Zuflüsse zu schützen. Seit 2017 unterstützt der BMF Dörfer in der Region durch die Konstruktion von Micro Hydro Dams bei der Umstellung von Dieselgeneratoren auf saubere und erneuerbare Energie.

Widerstand gegen den Baram-Staudamm

2008 wurden Pläne der Regierung publik, im Landesinneren mindestens 12 Staudämme zu bauen. Im Projektgebiet des Bruno Manser Fonds sollte der Baram-Staudamm errichtet werden, dessen Reservoir über 400km2 Regenwald überflutet sowie die bis zu 20’000 Indigene zur Umsiedlung gezwungen hätte. Korruptionsvorwürfe im Bezug auf die Energieprojekte, ein politischer Wechsel und vor allem massive Proteste der lokalen Bevölkerung, die der BMF tatkräftig unterstützte (link zu Regenwald statt Staudämme), gipfelten schliesslich Aufgabe des Mega-Staudammprojekts und einen Erfolg für die Indigenen der Baram-Region.

Energieversorgung im Regenwald

Die lokale Bevölkerung hat sich somit massgeblich und erfolgreich gegen die intransparente Energiepolitik gewehrt, die der Umwelt und der Zivilgesellschaft grosse Opfer abverlangt hätte. Dennoch besteht von ihrer Seite der Wunsch nach Entwicklung und einer sicheren und sauberen Energieversorgung.

Aus Konsultationen mit der Bevölkerung und wissenschaftlichen Studien geht hervor, dass die Implementierung von Micro Hydro Dams und manchmal auch Solarenergie die beste Lösung für eine bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung der ländlichen Gebiete Sarawaks ist.

Nachhaltige Entwicklung und Partizipation

Micro Hydro Dams haben hohes Potential die nachhaltige Entwicklung eines Dorfes zu fördern und werden deshalb vom BMF im Projektgebiet unterstützt.

Ökologisch

Diese Technologie erfordert und fördert den Schutz der waldbedeckten Einzugsgebiete für das Kleinstwasserkraftwerk und beeinträchtigt durch die geringe Grösse kaum das Ökosystem. Tatsächlich ist ein intaktes Wassereinzugsgebiet eine Grundvoraussetzung für die langfristige Nutzbarkeit des Micro Hydro Dams und die Konstruktion motiviert die lokale Bevölkerung zusätzlich diese Gebiete zu schützen.

Sozial

Kleinstwasserkraftwerke eröffnen durch die rund um die Uhr generierte Elektrizität Entwicklungsmöglichkeiten wie Zugang zu Internet und Kommunikation. Die dezentralisierten Energiesysteme werden durch ein innerhalb des Dorfes gebildetes Energie-Komitee gemanagt. Die Turbinen werden lokal gefertigt und die ausgebildeten Komitee-Mitglieder können Instandhaltung und Reparaturen selbstständig vornehmen. Insgesamt können die autarken Energiesysteme komplett vom Dorf selbst bewirtschaftet werden, weder politischer Druck noch Weltmarktpreise können die Dörfer in ihrer Energieversorgung beeinträchtigen.

Ökonomisch

Micro Hydro Dams bieten Unabhängigkeit von Ölpreisschwankungen und den Holzfirmen, die bisher die ländlichen Gebiete zu erhöhten Preisen mit dem Benzin für die weit verbreiteten Generatoren versorgten. Für die Dörfer entfällt ausserdem der kosten- und zeitaufwändige Transport vom Diesel oder Benzin aus den Holzfällercamps ins Dorf.

Umsetzung

Der BMF kooperiert mit lokalen Partnern bei der Umsetzung des Projektes. Für die Errichtung eines Kleinstwasserkraftwerks wird zuerst unter Einbeziehung der gesamten Community das Gelände vermessen und auf geeignete Zuflüsse untersucht. Gemeinsam mit lokalen Ingenieuren baut die Community ein kleines Staubecken, Wasserrohrleitungen zur Turbine, ein Maschinenhaus und ein lokales Stromnetz, über das die Haushalte an das System angeschlossen werden können. 2017 begann Long Liam als erstes Dorf den Bau eines Micro Hydro Dams.

Weitere Informationen

Studien der University of California, Berkeley, zur Energiepolitik von Sarawak und der Chance der ländlichen Elektrifizierung

Bilder
  • Die Kleinstwasserkraftwerke stellen nur minimale Eingriffe ins ...
  • Das Staubecken ist nur wenige Quadratmeter gross.
  • Die Turbinen sind lokal gefertigt.
  • Das Material muss erst über die Abholzungsstrassen transportiert werden…
  • …Und dann querfeldein zum Einsatzort.
by moxi