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Kartierung der Penan-Regenwälder

Kartierung der Penan-Regenwälder

Die Penan möchten ihren Lebensraum sowie ihre Kultur und Geschichte für kommende Generationen dokumentieren. Sie benötigen die kulturellen und historischen Dokumente und Karten, welche die Nutzung ihrer Gebiete und die Grenzen ihrer Territorien nachweisen aber auch, um vor Gericht ihre Landrechte einfordern zu können.

Fehlende Zeugnisse einer indigenen Kultur

Ihr Land hat für die Penan, wie auch für andere indigene Gruppen, eine ganz besondere Bedeutung: Der Regenwald bietet nicht nur alles, was sie zum Überleben brauchen, sondern besitzt auch eine kulturelle Funktion. Der Wald ist Träger ihrer Geschichte, die Heimat und die letzte Ruhestätte ihrer Ahnen sowie wichtigster Bestandteil ihrer Identität. Für ein Volk, welches keine schriftlichen Überlieferungen seiner Tradition kennt, lebt seine Geschichte, Kultur und Spiritualität durch die Orte weiter. Die traditionelle Verbundenheit der Penan mit ihrem Land ist von zentraler Bedeutung für ihre kulturelle Identität.

Die Rodung des Regenwaldes und die Vertreibung der Penan aus ihrer traditionellen Heimat drohen jedoch, diese Verbundenheit schrittweise zu zerstören. Das Kartierungsprojekt, eines der wichtigsten Projekte des Bruno Manser Fonds, versucht diese Entwicklung aufzuhalten. Hierbei handelt es sich um die Dokumentation des geografischen und historischen Wissens der Penan durch Befragungen, Recherchen und Vermessungen. Das Wissen wird anschliessend in Form von Karten und anderen Dokumentationsmitteln wie Texten, Fotos, Videos und Tonbandaufzeichnungen dargestellt.

Diese Nachweise ihrer Kultur sowie ihrer Nutzungsgebiete bilden die Grundlage für die Einreichung von Landrechtsklagen. Mit diesen versuchen die Penan die Vergabe von traditionellen Nutzungsrechten gerichtlich zu erwirken. Der Bruno Manser Fonds unterstützt die Penan in diesem Vorhaben mit dem Projekt Indigene Landrechte.

Kartierung

Der Bruno Manser Fonds stattet die Penan mit dem nötigen Wissen und der technischen Ausrüstung aus, um selber Karten ihrer Territorien zu erstellen. Die Penan vermessen selbständig ihren Lebensraum mithilfe des GPS (=Global Positioning System) und bereits vorhandener Karten. Dabei werden nicht nur Koordinaten bezüglich der geographischen Ausdehnung ihrer Nutzungsgebiete aufgenommen, sondern auch kulturell und historisch wichtige Orte wie Gräber oder Jagdgebiete vermerkt. So sind Namen der Bäche, Berge, Täler, Pässe und Felsen meist abgeleitet von historischen Begebenheiten oder einer Überlieferung. Die kartografische Erfassung ihrer Kultur ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts. Dank des aussergewöhnlichen räumlichen Wissens der Penan konnten seit 2002 unter anderem bereits mehr als 5000 Fluss- und Bachnamen, 1000 Flurnamen sowie 600 Pfeilgiftbäume der Penan dokumentiert werden. Die zusammengetragenen, geografischen Informationen mündeten im digitalen Kartenprojekt Sarawak Geoportal.

Mündliche Überlieferungen

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die schriftliche Dokumentation ihrer bisher nur mündlich überlieferten Geschichte (Oral History), indigenen Traditionen, Sprache sowie ihrer spezifischen Nutzungsweise des Regenwaldes. Dabei werden insbesondere ältere Penan zu diesen Themen befragt, ihre Antworten auf Tonband aufgenommenen, transkribiert und anschliessend ins Malaiische und Englische übersetzt.

Historische Recherche

Die Literaturrecherche in Archiven und Bibliotheken der Schweiz, Englands sowie Malaysias und die Ermittlung und Befragung von Zeitzeugen ergänzt die bisher genannten Möglichkeiten der Dokumentation. Dank ihr konnten weitere Beweise zugunsten der Landrechtsbemühungen der Penan ausfindig gemacht werden.

Zusammenfassend sorgt das Kartierungsprojekt dafür, dass dieser kulturelle Schatz dokumentiert und den Penan und anderen Interessierten zur Verfügung gestellt wird. Ausserdem liefert es die Grundlage für den Erwerb von Landtiteln und befähigt die Penan sich gegen die zunehmende Verringerung ihres Lebensraumes mit rechtlichen Mitteln zur Wehr zu setzen. Neben dem praktischen Nutzen stärken die erarbeiteten Dokumente die Identität und das Selbstbewusstsein der Penan.

Weitere Informationen

Tong Tana Dezember 2011

Tong Tana März 2013

Bilder
  • Die Pfeilgiftbäume (tajem) werden bei der Kartierung erfasst, da sie ...
  • Die erfassten Toponyme (Orts-, Flurnamen, usw.) werden auf die Karte ...
  • Gespräche mit den Dorfbewohnerinnen und -bewohnern dienen als Grundlage ...
  • Ein Grenzstein an der Grenze zu Indonesien wird von den Penan ...
  • Die Kartierungsexpedition überblickt den Pulong Tau National Park.
  • Das ganze Dorf unterstützt die Kartierungsarbeiten in Ba Jawi.
  • Ein neues Mitglied des Kartierungsteams wird über die Funktion der ...
  • Bei der Kartierungsarbeit in Long Tarum.
  • Die Ergebnisse der Kartierung werden überprüft.
by moxi