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Regenwald: Bruno Manser Fonds zieht nach 25 Jahren Bilanz

02.05.2017
Regenwald: Bruno Manser Fonds zieht nach 25 Jahren Bilanz


Bruno Manser Fonds feiert im Mai sein 25-Jahr-Jubiläum mit Festakt in Basel – Dokfilm „The Borneo Case – Bruno Manser lebt weiter“ kommt ins Kino


Kurz nach seiner Rückkehr aus dem Dschungel von Borneo gründete der Basler Umweltaktivist Bruno Manser im Dezember 1991 den Verein Bruno Manser Fonds (BMF), um für die Rechte der Regenwaldbevölkerung und gegen die Abholzung der Tropenwälder im malaysischen Bundesstaat Sarawak zu kämpfen. Am 13. Mai feiert der BMF sein 25jähriges Jubiläum mit einem Festakt in Basel, zu dem zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland erwartet werden.

Pünktlich zu diesem Termin kommt die schwedische Dokfilm-Produktion The Borneo Case – Bruno Manser lebt weiter in die Deutschschweizer Kinos. Der Film zeigt, wie Mansers bester Freund Mutang Urud seit dem spurlosen Verschwinden des Schweizers dessen Kampf weiterführt, unterstützt durch Lukas Straumann vom Bruno Manser Fonds und die britische Journalistin Clare Rewcastle mit ihrer Radiostation Radio Free Sarawak.

Seit Gründung des Fonds setzte Manser auf spektakuläre Aktionen, um der Kampagne gegen die Abholzung der Regenwälder öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Den medialen Durchbruch in der Schweiz schaffte Manser im Frühjahr 1993 mit einem 60tägigen Hungerstreik auf dem Berner Waisenhausplatz, unterstützt von der frisch gewählten Bundesrätin Ruth Dreifuss. Die Umsetzung von Mansers damaliger Hauptforderung, einer Deklarationspflicht für Holzprodukte, liess noch fast 20 Jahre auf sich warten und wurde erst 2012 Wirklichkeit.

Verzweifelt über den in seinen Augen mangelnden Erfolg seiner Proteste, liess sich Manser zu immer waghalsigeren Aktionen hinreissen. 1996 sauste er an einem Seil der Klein Matterhorn – Bahn 800 Meter in die Tiefe. Im März 1999 unternahm er einem Gleitschirmflug auf die Residenz des damaligen Regierungschefs Taib Mahmud in Sarawaks Hauptstadt Kuching. Nach der Landung wurde Manser unverzüglich aus Malaysia ausgeschafft, wo er schon lange als persona non grata galt.

Mansers grösster Erfolg lag darin, dass er das Volk der Penan - zu jener Zeit noch die letzten nomadisch lebenden Sammler und Jäger Südostasiens – massgeblich dazu ermutigte und dabei unterstützte, sich mit Blockaden von Holzfällerstrassen gegen die Abholzung ihres traditionellen Lebensraums im Urwald zur Wehr zu setzen. Direkte Folge dieser Proteste ist, dass bis heute im Penan-Gebiet eine der grössten zusammenhängenden Urwaldflächen Sarawaks zu finden sind. Ein Gebiet von rund 283'000 Hektaren – eine Fläche von der Grösse des Kantons Tessin – soll in den kommenden Jahren im Baram Peace Park unter Schutz gestellt werden.

Bruno Manser selbst schätzte den Erfolg seiner Kampagne zunehmend pessimistisch ein, gemessen an den unrealistisch hohen Zielsetzungen, die er sich gesteckt hatte. Mitte 1999 sagte er in einem Interview mit dem Basler Newsportal OnlineReports, sein Erfolg sei „unter Null“. Viele seiner Freunde reagierten mit Besorgnis, als Manser im Frühjahr 2000 ankündigte, eine letzte Reise nach Sarawak zu unternehmen. Von der Reise zu seinen Penan-Freunden im Dschungel von Sarawak sollte er nie mehr heimkehren - Bruno Manser gilt seit dem 25. Mai 2000 als verschollen.

Nach Mansers Verschwinden führte zunächst sein Mitarbeiter John Künzli die Arbeit im Fonds weiter und initiierte ein Projekt zur Kartierung der Penan-Regenwälder, das massgeblich von der Stiftung Kunst für den Tropenwald des Basler Kunsthändlers und Mäzens Ernst Beyeler finanziert wurde. Im Sommer 2004 übernahm der Historiker Lukas Straumann die Geschäftsleitung des Fonds und baute die Organisation sukzessive von einem kleinen Kreis von Freunden zu einem Verein mit 4'500 Mitgliedern und einem jährlichen Budget von mehr als 1.5 Mio. Franken aus

Ab 2005 intensivierte der Bruno Manser Fonds die Kartierung des indigenen Lands in Sarawak und reichte in Kooperation mit den Penan insgesamt sechs Landrechtsklagen ein, welche die offizielle Anerkennung der traditionellen Nutzung des Regenwalds durch die Indigenen zum Ziel haben.

Die massgeblich durch die Geografen Julia Beckel, Rainer Weisshaidinger und Baptiste Laville verantwortete Kartierung der Penan-Gebiete kommt im Sommer 2017 nach 15jähriger Arbeit zum Abschluss. 23 Kartenblätter im Massstab 1:35'000 dokumentieren den Zustand des Regenwalds und die traditionelle Landnutzung auf einer Fläche von über 16’000 km2. Dabei dürfte es sich um eines der genauesten Kartenwerke von indigenem Land weltweit handeln. Kein Erfolg war demgegenüber bisher den Landrechtsklagen der Penan beschieden.

2010 begann der Bruno Manser Fonds im Rahmen seiner Stop Timber Corruption-Kampagne mit investigativen Recherchen zu den aus der illegalen Abholzung stammenden internationalen Finanzflüssen. So gelang es nachzuweisen, dass die Familie von Sarawaks langjährigem Regierungschef Taib Mahmud Anteile an 400 Unternehmen in 25 Staaten im Wert von Milliarden US-$ erworben hat. Resultat der Kampagne ist auch ein noch laufendes Strafverfahren der Bundesanwaltschaft gegen die UBS, welche über 90 Millionen US-$ an Bestechungsgeldern von Holzbaronen gewaschen haben soll.

Wohl seinen grössten Erfolg erzielte der Bruno Manser Fonds 2015 nach dem Rücktritt von Taib Mahmud. Einer durch Annina Aeberli in Kooperation mit Save Sarawak Rivers aufgebauten Kampagne gegen Mega-Staudämme gelang es, das grösste Projekt, einen geplanten 412km2 grossen Stausee im Baram River-Becken zu stoppen, das für gegen 20'000 Indigene die Zwangsumsiedlung bedeutet hätte. Das bereits enteignete indigene Land wurde im letzten Jahr an seine Eigentümer zurückgegeben.

Im Vordergrund der laufenden Arbeit steht die Unterschutzstellung von 2830 km2 Regenwald und Kulturland im Rahmen des Baram Peace Park, einem von Indigenen gemanagten Naturreservat in der Fläche des Kantons Tessin. Das Projekt wird von der neuen Regierung unterstützt. Zu den Feierlichkeiten des Bruno Manser Fonds im Mai wird erstmals auch eine offizielle Delegation des Sarawak Forest Department erwartet.

The Borneo Case – Bruno Manser lebt weiter läuft ab 11. Mai 2017 u.a. in folgenden Kinos: kultkino Basel; Riffraff Zürich; REX Bern, Kinok St. Gallen, Bourbaki Luzern, Cinema Leuzinger, Altdorf.



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by moxi