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Bruno Manser Fonds publiziert Karten des Penan-Regenwalds

21.11.2017
Bruno Manser Fonds publiziert Karten des Penan-Regenwalds


Kulturhistorisches Kartenwerk zeigt Schätze des Regenwalds von Borneo


Der Bruno Manser Fonds hat innerhalb von 15 Jahren im malaysischen Teil von Borneo ein Regenwaldgebiet von fast einem Viertel der Fläche der Schweiz kartiert. In enger Zusammenarbeit mit dem indigenen Volk der Penan entstanden mit Hilfe von traditioneller Überlieferung und modernster Technik (GPS-Lokalisation, Drohnen) 23 präzise Landkarten, die eine Fläche von knapp 10'000 km2 Regenwald und traditionell genutztem Kulturland im Massstab 1:35'000 abbilden.

Am Freitag, den 17. November 2017, hat eine Penan-Delegation dem Vize-Regierungschef des malaysischen Bundesstaats Sarawak das Kartenwerk offiziell überreicht. Kommendes Wochenende wird der Abschluss des Projekts mit einem grossen Fest im Urwalddorf Long Lamai an der malaysisch-indonesischen Grenze begangen. 64 Häuptlinge des ehemaligen Nomaden-Volkes werden einen Schuber mit den Karten ihres Landes im Empfang nehmen.

Das Kartenwerk ist ein kulturhistorisches Dokument erster Güte, gewährt es doch einen tiefen Einblick in den kulturellen Reichtum der Penan, die das Gebiet seit Jahrhunderten bewohnen. Wo vorher weisse Flecken auf der Karte waren, tragen jetzt über 7000 Flussläufe und Bäche sowie 1800 Berggipfel und Bergzüge einen Namen. Über 800 Pfeilgiftbäume sowie zahlreiche Sagopalmen und Blasrohrbäume wurden lokalisiert und zeugen von einer nachhaltigen Nutzung des Regenwalds.

Neben dem eigentlichen Kartenbild enthält jedes Kartenblatt eine Sage der Penan, Porträts von Indigenen sowie Luftbilder der gezeigten Dörfer. Als offizielle Darstellung des indigenen Lands autorisiert sind die Karten mittels Daumenabdrücken der Häuptlinge.

Grundlage für Landrechtsforderungen

Trotz der offensichtlichen Präsenz der Penan in diesem Gebiet anerkennt die Regierung von Sarawak deren traditionelle Landansprüche bisher nicht an. Vielmehr verpachtet sie den Wald an Holz- und Plantagenfirmen, was zur Zerstörung des Lebensraums der Indigenen führt. Die neuen Karten machen die Geschichte der Penan sichtbar und damit juristisch relevant. Der Bruno Manser Fonds ist davon überzeugt, dass der Kampf um die Anerkennung der Landrechte dank Hilfe der Karten Auftrieb erfahren wird. Ziele sind die Selbstbestimmung der Penan über ihr Land sowie ein angemessener Schutz des noch intakten Regenwalds.

Das Kartenwerk ist ab sofort zum Preis von 460 Franken pro Schuber (à 23 Karten) beim Bruno Manser Fonds und ab Dezember bei Bergli Books (Schwabe) erhältlich. Der Erlös fliesst in die Arbeit des Bruno Manser Fonds.



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by moxi